Amatsu Tartara, die Heilkunst der Krieger Japans

Amatsu Tatara

 


Japan, Land der aufgehenden Sonne, Land der Gegensätze, Land der Traditionen. Heimat des Origami und der Kunst der Kalligraphie, des Kimonos und der Mangas, aber auch Heimat vieler Kampfkünste, die mittlerweile auf der ganzen Welt verbreitet sind.

Weit weniger bekannt ist jedoch eine Heilkunst, die schon seit tausenden von Jahren im japanischen Kaiserhaus, von den Samuraikriegern, den geistlichen Eliten, aber auch von den sagenumwobenen Ninja praktiziert wird. Diese Heilkunde wird Amatsu Tartara genannt, was frei aus dem Japanischen als "Hafen des Himmels" oder "göttliche Technik des Lichts" übersetzt werden kann.

Die Grundlagen des Amatsu Tartara stammen aus der alten Schule des Hichi Buku Goshinjutsu Ryu, der "Geheimen Schule der offenen Blüte". Diese Schule umfasste Kenntnisse der Naturgesetze und deren Erforschung, Fertigkeiten zum Selbstschutz wie Überlebenstraining, Medizin, aber auch Philosophie und Spiritualität.

Eine wesentliche Eigenschaft des Amatsu ist ein ganzheitlicher Überblick, d.h. derjenige, der sich mit der Ausübung des Amatsu Tartara beschäftigt, ist aufgerufen den Menschen als globales Bild und in seinen natürlichen Zusammenhängen zu sehen. Dabei beruht dieser Blick auf der Basis von fünf Faktoren, die untrennbar miteinander verbunden sind. Diese Faktoren nennen die Japaner Godai oder auch die großen Fünf.

  • Der physische Faktor = Körper und seine strukturellen Zusammenhänge vom Kopf über die Hüfte bis zu den Füßen (TenChi-Jin)
  • Der Nahrungsfaktor = Nahrungsaufnahme, Verwertung und Ausscheidung.
  • Der Energiefaktor = Ki, die Lebensenergie
  • Der Geistfaktor = Gefühle, Gedanken und Seele
  • Der Umweltfaktor = Lebensverhältnisse, soziales Umfeld, Familie, Freunde und Beruf

Gerät dieses Gefüge aus der Balance, so ist der Mensch von Krankheit bedroht. Daher muss die natürliche Harmonie des Godai durch eine Behandlung wieder hergestellt werden. Voraussetzung für eine gute Behandlung und damit der Hilfe für andere Menschen ist, dass  der Amatsu Therapeut auch auf sich selbst Acht gibt. Daher ist der eigene Schutz, wie die Geheime Schule der offenen Blüte lehrt, vor gesundheitsschädlichen Faktoren unumgänglich, wobei auch für sich selbst das Godai als fundamentales Prinzip gilt.

Aus der Sicht des Amatsu Tartara sind Körper, Seele und Geist eins mit der Natur. Dies bezieht sich besonders auch auf den Rhythmus natürlicher Bewegungen, sei es in Situation des Alltags wie des Sitzens oder des Gehens, bei Behandlungen, Selbstbehandlungen, körperlichen oder emotionalen Arbeiten. Ziel muss es sein, sowohl für sich als auch den Patienten die natürliche Bewegungsfähigkeit wieder herzustellen, vergleichbar etwa mit der Leichtigkeit und Grazilität einer Katze.

Neben der Wiederherstellung der natürlichen Beweglichkeit und der Arbeit mit Muskeln, Sehnen und Gelenken, werden vor allem auch die Selbstheilungskräfte des Körpers durch Ausgleich von In und Yo (= Yin und Yang) aktiviert, die Energiekreisläufe des Körpers ausbalanciert und die Funktionen der Organe gestärkt. Spezielle Punkte, die so genannten Kyusho, sorgen für den Ausgleich der Energien.

Durch den ganzheitlichen Ansatz des Amatsu Tartara ist es nicht nur möglich die Mobilität des Körpers zu verbessern, sondern es hat auch für andere Beschwerden eine große Bandbreite.

Es kann zum Beispiel helfen bei:

  • Rücken-, Nacken- und Schulterproblemen
  • Muskelverspannungen
  • Kopfschmerzen und Migräne
  • Ischias und Gelenkproblemen
  • Kreislauf- und Verdauungsbeschwerden
  • Sportverletzungen
  • Koliken
  • u.v.m

Heute wird dieses kostbare Erbe von Dr. Masaaki Hatsumi weitergeben, der in der Mitte der Achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts den ersten Nicht-Japanern diese Heilkunde mit der Prämisse lehrte, sie an die Welt weiterzugeben.

Hatsumi Sensei ist aber auch gleichzeitig das Oberhaupt (Soke) der letzten 9 Traditionen der wohl ältesten Kampfkunst Japans, des Ninjutsu (Bujinkan Budo Taijustu). Daher ist es interessant darauf hinzuweisen, dass viele Techniken, die in der Kampfkunst genutzt werden, um einen potentiellen Gegner außer Gefecht zu setzen, im Amatsu Tartara eingesetzt werden, um zu heilen. In Deutschland gibt es gegenwärtig zwei ausgebildete Amatsu Practioner.